Hand reichung

25 November, 2016 (15:43) | | beautiful people, ego.t/error.welt, labyrinth/wort.gewebt. | Kommentieren

Dem gestern die hand reichung an
gedeihen lassen – unter weg
lassen von drums & drans

Der fort schritt ist eine transe
eine transition form wechselnd eine haar
lose häutung von vielen kleinen
zähnchen mit ab rieb & ab
reibung –

Rück schritte haben gender
wahn sinn in gebäck – packung an
backung dicht geschnürte
korsette & strapse & seiden
strümpfe unterm freuchten schritt:

Wahres ist unbar
wer schreibt vergeht
wer bleibt ist ein treppen
witz ohne geschichts
buch

Dem meuchel morgen knöcherne
fingerchen kalte kuppen hand
schuh los händchen hin
halten – &:

Reichs mir mein liebchen
ich führ dich zum tanze
zwick dir ins grübchen
& geh dann aufs ganze

murot de la mort

22 November, 2016 (02:31) | | ego.t/error.welt | Kommentieren

das leben finden wir ernst erst,
wenn wir gestorben sind –
jedes gedicht ein nahtoderlebnis.

mit meiner ehemals geliebten,
ihre nylonstrümpfe haben laufmaschen,
auf die ich auf dem sofa schaue,

schaue ich tausendundersten „tatort“:
wir tauschen bedenken am drehbuch
aus, hatten vorher beim asiaten gesund gegessen.

Man sollte speien

15 November, 2016 (14:03) | | alptraum/ego.wunde, terrere est humanum? | Kommentieren

Man sollte speien viel mehr sollt man kotzen
die lippen wund genetzt mit magen saft
denn sterben ist nicht ehrbar sagen haft
man möchte dabei viel mehr hirn schleim rotzen

Wenn in der stirne eine scharte klafft
& fliegen schwärme in den kugel fotzen
& augen sitzen die nur leblos glotzen
verrecken wäre nichts als sippen haft

Gespräche führn wir laufend in palästen
es klingen silber löffel teller tassen
die all die essens schätze mund fein fassen

Wenn an Aleppos telegraphen ästen
nur blut verschmierte graue fahnen hängen
& kinder hungernd sich durch gassen zwängen

nur ein wink

12 November, 2016 (04:44) | | ego.t/error.welt | Kommentieren

nur ein wink aus deinen händen,
nur ein wort auf deinen lippen
macht mich stark: aus allen ländern,
allen küsten, deren rippen

brach gelegen, jetzt ein port
gemacht, von dem wir aufgebrochen.
auch das skelett an fleisches ort,
wo’s klappert, dem wir anverflochten

als mensch und menschen einverstanden,
dass einer nicht des and’ren wolf,
doch sei ein hilf’ dem angelanden
an förden, buchten oder golf.

und ist’s auch, dass sie uns benennen
und hämen uns als gutgemensch:
es bleibt ein rest in dem bekennen:
ein kuss ist’s jenseits ihrer schänd’,

ein anvertrauen jeden tag
und auch in nacht, die schlimm verschlafen,
wo manchen noch am herzen lag,
was tickt durch facebooks telegrafen

nur als ein „like“. doch solches „like“
müsst’ allen sein, verwundeten,
den totgesagten, dass nicht schweigt
ein jeder so bekundeten

an eig’nen leidesliedern nur.
dass vielmehr wir und all’ versehrte
die hand uns reichten zu dem schwur:
WIR SIND, DIE KÄMPFEN UMS BEGEHRTE!

das ist der wink, den uns der wind,
geschicht’ und gegenwart … die hand
gereicht, dass wir sind taub und blind
nicht mehr für dieses NEUE LAND.

Du mensch raubst mir die guten worte

31 Oktober, 2016 (10:55) | | ego.t/error.welt, labyrinth/wort.gewebt., lug & trug, tage-bau | Kommentieren

Gott sprach: du mensch raubst mir die guten worte
du bist der teufel wohl in menschs gestalt
du sengst & brennst & opferst dich gewalt
es gibt durch dich nur noch die höllen orte

Wo tonnen fallen aus den fahlen himmeln
& ratten sich auf leeren straßen treffen
um menschens kindern pfeifend nach zu äffen
die in den keller höhlen räudig schimmeln

In schwarzen fliegen blasen wund starr taumeln
ihr wasser aus verschmierten lachen saufen –
am dach first schlaffe graue fahnen baumeln

Die eisen stäbe greifen aus ruinen
nach mond & sternen schatten wesen laufen
den brot laib an sich tragend durch die minen

sweet herbst sixteen (4-7/14 sonetten)

30 Oktober, 2016 (04:13) | | hyper pixels, rausch (zustände) | 1 Kommentar

(14 (letzte) sonette)

4

ach, nach vier woch’n fällt das laub jetzt wirklich,
liegt leichenbunt auf allen meinen straßen,
da bin ich – solchem einerlei – versprech’ mich
und schau mich an im spiegel meiner strafen.

die leg’ ich selbst mir auf und an, gewand
der nacht, in t-shirt und der unterhose
am schreibtisch, wo mich tasten wiederfand
im denken, schreiben, fühlen, wichsen – lose.

nocheinmal diese strenge form, korsett,
verweigernd, feiert hier doch das sonett
im reimgeschwind sein fröhlich urgeständ.

als könnt’s nicht anders, leibt es noch als schaf
und hat noch vor ein zehnfach sich verschwend’,
bevor ich drüber buchgestäbe brach.

5

es muss sich so vollenden: noch die fünfte
sonettensymphonie. denn während ich
bekifft saß auf der party gestern, hüpfte
ein seifenfläschchen in die zeilenpflicht.

aus rosen wie der liebe unverstand
war es erblüht. und wie ich’s daraus goss
in meine scribble-scrabbelnd dichterhand,
war’s duftend, was aus solchem ich genoss.

sonett_handseife_rose_web

es war auf der toilette eines weibchens,
wo sitzen muss der mann und nicht versprüht,
was aus ihm rinnt, dies trüb vergilbte schleichen,

das schwarz bis licht und weiß an ihr verglüht.
ich wasch’ mich, bärig bärtig in der maske,
ich weiß, dass ich bei ihr nicht lange raste.

6

am folgetag nach dieser nacht-imago
entschlüpf’ ich dem kokon als blätterfalter.
ich flüg’le kurz, dann brennend wie schiwago
an seiner lara schwerster brand-verwalter:

ein omar und sharif der antipowa.
ich träumte scharf und „om!“ von hollywoods,
von kriegen, frieden, russland und der shoa,
denn es war herbst und alle ohne schutz –

ein deutscher herbst wie sieben und auch siebzig,
ein fall wie im november neu und achtzig,
und ein vergehen wie das welke blatt,

das über straßen weht und keine ampel,
nicht ihre farben kennt, nur das gehampel,
das jedes wort, das ich gedichtet, hat.

7

auf halbzeit nun und in die blaue pause
schreibt reimend immer noch mein ich – und wischt
die wohlgefall’nen verse in die jause,
in eichenlaub und derb geschnitzten tisch.

denn ich erlaube mir noch einmal laub,
gefallenes nach frühling zu besingen.
in den gewinden meiner schrägen schraub’,
zieh’ ich register allen orgelklingens.

es wird absurd, wie das so nette kettet
den einen an den and’ren heimend vers.
es muss ein abschied sein, und der verzettelt:

hier ist der alt verweg’nen form ein herbst.
ich geb’ ihm meine blätter zum verwelken,
reim’ längst schon nicht mehr rein in solche kälten.

← 1-3

Was ist ein Mensch?

29 Oktober, 2016 (11:08) | | beautiful people | Kommentieren

Ein Covjek, vielleicht ein Super-Covjek?
Ein Teufelskerl, von Gott gelenkt?
Ein Schelm, ein Komiker, der Böses denkt?
Ein Bild mit großen Lippen
zum Essen, Sprechen oder Küssen?

Einer, dessen Seele sich im Sonnengeflecht
unter’m Herzen regt?
Oder einer, der unter grauem Himmel
stets Sonne im Herzen trägt? –

Und – ach was, ok – ein Auto fährt auf seinem Weg.

Eskapismus baby

25 September, 2016 (18:08) | | beautiful people, ego.t/error.welt, lug & trug | Kommentieren

Sei mein stück eskapismus baby
mein mieses stück exi(s)t(enz) angst
mach auf strahle frau zum grau
brot kauenden otto normalo

Sei der glanz in meiner hütte
in der ich auf den hund gekommen
als drei beiniger kater hause
nach der großen jahr 1.000 sause

Sei die perle meiner krawatten
nadel die ich mir in den wende
hals gestochen trage nach erlösung
röchelnd im blüten weißen hemd

Sei der engel der meiner unschuld
schuld auf seinen flügeln trägt
als ob sie trag bar wäre durch die
unerträgliche schwere des seins

Sei mein stück eskapismus baby
& ein mieses stück selbst verleugnung
dem dessen sand um seinen kopf
langsam durch die zeit uhr fließt

sweet herbst sixteen (1-3/14 sonetten)

25 September, 2016 (07:55) | | herz & lenden | 1 Kommentar

1

ich habe zweifel an gewählter form,
sonett ist alt, ist gestrig. überhaupt:
warum die strenge hier im teenie.dorm,
wenn alten bäumen fällt ihr nacktes laub?

ja, hab’ erkenntnis, wenn ich solches dichte,
wie die kastanien fall’n aus ihrer frucht.
denn mein gewinn ist, wessen ich verzichte,
begeb’ ich mich in solcher silben flucht.

beschränkung setze etwas frei wie dampf,
lehr’n mich, die vormals selbiges versuchten.
mir scheint es manchmal nur wie zitternd kampf,

wenn verse mir gelingen unter krusten
und blätter werden nach dem schreiben grau,
wie stein gesandt der adressierten frau.

2

noch einmal sixteen, dieses junge alter,
wo man noch sprach ins ungereimt vereinte.
es war der pop, der rock, der jazz und punk,
ein unverzagen, das mir längst abhanden.

jetzt bin ich meiner texte hausverwalter,
ein dichter, der archive nachts beweinte.
mein blog verzeichnet skizzen anverwandt,
weiß um die lyrics und ihr so zu schanden.

doch leer bleibt solche form und wie die blätter
fall’n sie zu früh, ach ja, wie jedes jahr
und in dem unberechenbaren wetter.

ich suche nach dem letzten reim – ja klar –
und finde ihn, das ist gewiss, in not.
und weiß doch: er ist der gedichtet’ tod.

3

erwähnten, den kastanien, sagt man nach,
dass ihre stund’ zu früh gekommen sei:
sie welken neuerdings im sommerschlaf,
und winter wird sie nicht erwecken. blei

sei’n sie, ein abgestürbnis wie der text,
den hingestorb’ne dichter auf sie dichten.
und weil es reimt, es ist doch wie verhext,
wenn letzte früchte fall’n in schoß solch’ wichten.

dass dichten sich auf wichte reimte, ist
hier allbekannt, ein sich verzehrend’ groove.
es fräge sich nur, wessen ich du bist.

sei’s, was dich küssend wort aus sich erschuf
od’ nur, wo fröhlich wissenschaft sich breitet.
doch wie auch immer: wort ist dir bereitet.

ögyr liest’s

Du mensch raubst mir die guten worte

12 September, 2016 (13:41) | | ego.t/error.welt, haut.falten/masken.wahn, labyrinth/wort.gewebt. | Kommentieren

Gott sprach: du mensch raubst mir die guten worte
du bist der teufel wohl in menschs gestalt
du sengst & brennst & opferst dich gewalt
es gibt durch dich nur noch die höllen orte

Wo tonnen fallen aus den fahlen himmeln
& ratten sich auf leeren straßen treffen
um menschens kindern pfeifend nach zu äffen
die in den keller höhlen räudig schimmeln

In schwarzen fliegen blasen wund starr taumeln
ihr wasser aus verschmierten lachen saufen –
am dach first schlaffe graue fahnen baumeln

Die eisen stäbe greifen aus ruinen
nach mond & sternen schatten wesen laufen
den brot laib an sich tragend durch die minen

nein/eleven/fifteen

11 September, 2016 (03:58) | | alptraum/ego.wunde, rausch (zustände), terrere est humanum? | Kommentieren

wie babylon gestürzt, die herrschend türme,
sah ich das einst vor 15 dieser jahren.
es war, als wär’ das ende der gewürme
aus himmlischem der heere finstrest scharen.

ich war damals auf seiten attentäter,
dem letzen allah.ruf, dem sehr verbunden.
doch wusste ich, als davon vielmehr später
die nachricht sich verdichtet und bekunden

war „ground zero“, wie ich ihn erdichtet,
ein schmerz, verheerung und das schlimme grauen.
ich wusste, wo ein schwarzes sich belichtet,

und war in babylon, im turm, vertrauen,
dass sich ein sturz und ebenso erhebt,
was stirbt, sich umso grausamst wied’ erlebt.

ögyr liest’s

little boxes – ein märchen

8 August, 2016 (15:09) | | tage-bau | 3 Kommentare

CIMG9723

(kunstinstallation, gesehen vor jahren im Wendland – leider weiss ich künstlerin/künstler nicht mehr)

für jedes problem die richtige schublade haben – das ist fein. das ist einfach: der gehört hier hinein, jene dort hinein. diese macke da. dieser horizont lässt sich noch viel enger falten, passt sogar in eine schmuckschatullenschublade. das alles stapelt sich und stapelt sich überaufunduntereinander, womöglich auch hintereinander weg? inwendig summt und brummt es, schnauft und braust und stöhnt und brüllt. schon schauen sie tückisch, die schubladenaugen. es riecht nach rebellion. seit jahren gestapelte ur- und vorurteile kommen vielleicht ins rutschen? die balance passt nicht mehr? das schubladengetüm gerät ins wanken, stürzt zusammen und alles ergießt sich ineinander. ja was machen wir da? was machen wir nun? wo nehmen wir unsere meinung her? alle schubladen leer? alles boshafte gewisper und gedröhn ins freie gelassen, rauscht vielleicht wie A. Paul Webers „Gerücht“ überall umher und richtet schaden an. aber vielleicht machen wir auch einen sturm, einen richtigen sturm, der bläst alles fort, fort über alle berge, hinweg über die sieben zwerge. bläst die letzte bosheit hinaus aus dem lügen- und müllgewebe. wir pusten so kräftig, wie wir können, los! und was machen wir mit dem schubladenberg? wir lassen es krachen fangen von vorn an. wir bauen ganz was neues. aber was? einen turm! nein – das ging schon mal schief. was dann? kleine brücken? bilderrahmen? leitern? pass auf – ich werf dir schon mal ein brett zu (bitte nicht vorm kopf anschrauben). nun los! irgendwas wird uns schon einfallen…

Flüchtige weg strecken

2 August, 2016 (20:01) | | ego.t/error.welt, terra/adern/fluss.linien, terrere est humanum?, zugvögel/wind.bahnen | Kommentieren

Fort gegangene fort folgen –
belagerte belegt des brot ich ess
mit auf schnitt vom ab
geschnitten hals stück in scheibchen
weise

Red keinen käse wenn du keine
wurst hast spreng falle & fresse
dich durch um sie auch nur zu
halten

Putsch dir dein auf putsch
mittel & werfe nebel kerzen
auf wasser werfer in truppen
stärke dich mit kindes kindern
wirf dich

Weg wo ein wille mit isst bleibt
die küche kalt & der brei verdirbt
den charakter weil drei
köche um ihn veits
tanzen

Sei eine folge verfolgter &
gehe über die wasser so ist
das mittel meer: du zaun
könig im maschen draht –
stacheln auf die neueste
masche

Ist gefallen & am leichen
tuch wird mit heißer nadel
genäht – lass dich aus booten
& lenze kähne mit loch
sieben

Wandle & verwandle dich
Folge dir nach & trete in
zu große schuhe um sieben
meilen zu stiefeln – folgen
los ohne ende & bei fang
im netz

das unbehauste kind

2 August, 2016 (08:02) | | alptraum/ego.wunde, ego.t/error.welt, rausch (zustände) | 1 Kommentar

es war einmal ein kind,
das hatte so viel haus,
dass es unbehaust war.
es schritt durch die räume,
die wohl erträumt waren,
sah aber nur die leere,
nicht deren eingerichtetheit.

es war einmal ein kind,
das eben dort erwachsen wurde,
aber doch blieb dieses
unbehauste kind. nachts
lag es wach und schlief
am wirren tag der häuser, die
unterm dach, aber unbedacht waren.

das unbehauste kind - skizze

es war einmal ein kind,
das keine märchen kannte.
nur dieses, das man ihm erzählet hatte:
es war das märchen von dem kind,
das keine märchen kannte,
sondern solche schrieb,
wie man sie ihm erzählet hatte.

es war einmal ein kind,
das danach müde wurde
am tag und folgend in der nacht
des lebens wie des sterbens.
und so starb es nicht
und lebte gleichwohl nicht,
sondern starb, indem es lebte.

ögyr liest’s

Aber doch – doch aber

9 Februar, 2016 (17:47) | | tage-bau | Kommentieren

Auch wenn es immer „aber“ gab –
Es gab doch auch ein „doch“:
Du brichst den Kragen und den Stab.
Du brichst dir auch die Zunge ab.
Und fällst tief in ein Loch.

Was nützt der ganze Widerstand?
Die Bomben fallen doch.
Der Mensch hat alles in der Hand,
Gebräuchte er nur den Verstand.
Die Erde wird zum Loch.

An Grenzen stehn sie fest gebannt.
Granaten treffen doch.
Aus Höllenfeuern weggerannt
In eine Zukunft unbekannt
Erwartet sie ein Loch.

Es gibt viel „Aber“ und Gelaber:
Die Schwachen sterben doch.
In Moskau brennen Kandelaber
Und in Aleppo ein Araber,
Im Kopf ein großes Loch.

es gibt keine richtigen lyrix im falschen leben

23 Januar, 2016 (04:54) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

außer: „say goodbye to lethargy, save the world with this melody“ (bernadette la hengst)

so will ich singen, falschen vers euch dichten,
aus resten meines sangs sonett noch machen
und seiner strenge dennoch ganz verzichten,
beim dichten all dem schichten uns eins lachen.

werd’ sagen, auserzählt, euch von den versen,
von schwierigkeit, aus mir heraus zu schweigen.
ich könnte euch ja eh nichts mehr verbergen,
vielleicht, wohin sich mein gedicht würd’ weisen

und euch dahinter, traute meines lichts.
das linkt und reimt schon wieder auf „des wichts“,
gekommen wörterwelten auf den grund,

der macht sonettes reimen jetzt gesund,
und krank auch, was ich nahe des verzichts
noch bin in mitten meinem des gedichts.

ögyr liest’s

an die verständigen

9 Januar, 2016 (06:40) | | beautiful people | Kommentieren

genossen, dass ihr’s wisst, ich rufe nicht
um hilfe und kassib’re kaum die silben.
was steht auch zwischen zeilen im bericht,
ist nur die maßnahm’ gegen das vergilben.

ist ein verzeichnis, wenn man will, vermächtnis,
wüsst’ ich, wovon, woher, ich wäre schlauer
und würde dichten nicht im ton des heftigst,
doch hätte leis’re töne auf der lauer:

dass unverständnis sei schon angelegt
und – wie ich’s gerne nenne – „anverzicht“
wär’, was dich, les- und leserin, bewegt.

denn wisset, wenn ich ruf’ um eure hilfe,
dann reimt’s sich in demselbigen gedicht
wie hier auf hilfe, die der dichten schilfe.

ögyr liest’s

Erfolgsgutschein

2 Januar, 2016 (17:45) | | netz@uge.nblick | Kommentieren

„Hier, ‚Erfolgsgutschein‘!“ – „Gegen wen’e?“

Weihnachten 2015 oder Sonett Falsche Mimosen

25 Dezember, 2015 (10:02) | | ego.t/error.welt, labyrinth/wort.gewebt., netz@uge.nblick | 2 Kommentare

Der Weihnachtsrummel ist vorüber und
Der letzte Schrei Geschenke in Paketen.
Wir denken an Sylvester und Raketen;
Doch drinnen sind die Herzen klein und wund.

Denn in der Welt verrufen Exegeten,
Was gut ist: Blankes Hassen schäumt ihr Mund.
Der Heiland kommt nicht mehr zur Hohen Stund:
Ihn jagen üble Herrscher von Proleten.

Wir stehen an der Klippe vor dem Tosen
Und halten uns ganz fest an klammen Händen.
Im Garten blühen weiß die Christusrosen.

Wir fragen uns, wohin sich Zeiten wenden,
Und wissen, dass das Goldgelb der Mimosen
Die Hoffnung gibt, dass alle Winter enden.

xChorals

25 Dezember, 2015 (04:53) | | rausch (zustände) | Kommentieren

„Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen, lass dir die matten Gesänge gefallen, wenn dich dein Zion mit Psalmen erhöht“ (Bach/Picander, Weihnachtsoratorium)

1 das jahr

und war es auch, das jahr zu seinem ende | nicht das beste | so sind zu solchem feste | noch nährend all die reste | was uns erbleibend bände | geretteten der seelen

2 das sinken

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wer sank, sinkt noch und sänke | steht in dieser nacht doch wieder auf | denn siehe, sieht das licht | und schaut zu himmeln ’nauf | wo menschen leuchtet liebe | denn lieb’ ist | manna unsr’rer herzen | das den mensch erhält und nährt

3 das leben

und so geh’ ich aus | dem alten in das neue leben | halt’ mich tapfer | im wind der rauen nächte | fach’ ihn an und wand’re stetig | zu der strohig krippen

4 der widerstand

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darin mein widerstand | heißt noch und jesu zugewandt | glaub’ und lieb’ und hoffnung | denn also hat mein gott geliebet mich mit einverstand | hat herze mein geborgen | wie du mich einst in deiner liebe | und wenn wer greint, dass ich mich bloß ergebe | entgegne ich, dass mich | freundlichkeit und zugewandt nimmer mehr wird lassen

5 die speise

die speise liegt uns vor | und schmecket uns’ren zungen | lippen sind des lobes voll | denn eingeladen sind wir | davon zu uns unseres zu nehmen | vom trank nicht minder, unsrig’ zu beseelen | am tisch gemeinsam

6 der tisch

der tisch ist uns so reich gedeckt | das heil uns hier – und | wir denken dran | dass es auch and’ren mög’ gegeben sein | die wen’ger haben | und mit uns’ren selbiges des leids

7 nachts, im bus

ich fahre heim und sehne | wo kein heim wär’ auf der ew’gen fahrt | da: der mann, verhärmt | doch hebt den finger von der rückbank | spricht und predigt | stumm noch seine hilferufe | ich hör’ sie gleichwohl wie der herr

8 das licht

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es scheint als fast schon vollmond | dieser nacht uns in das herz hinein | so löst es meine fesseln | auch der dichtend form | senkt hoffnung in mein so konform | und weht mir in der regnend nacht | die tränen ins gesicht | als meine, unser aller dieser nächt’gen freude

ögyr liest’s

von der diaspora

22 Dezember, 2015 (03:33) | | herz & lenden | Kommentieren

„arm bist du nicht ohne geld, arm bist du ohne herz.“ (syrischer flüchtling)

wir alle woll’n jetzt endlich bess’res leben,
das süß’re stück vom fetten sahnekuchen.
doch dafür ist kein nehmen, sondern geben,
ein finden uns nur in dem uns jetzt suchen.

so ist mein herz ein großes, kleinem geist
und eifersüchten manchmal nur gegeben.
denn wie auch immer ihr mich nennet, leist’
ich widerstand auch solchem untergehen.

ich bin nicht arm durch den verlust, doch reicher,
weil mein herz schlägt für dich und immer euch,
es pocht gemeinsam an der pforte. leichter

wird’s mir, wenn ich gewusst, dass der verzicht
auf heimat, bergung tränen macht mir feucht
und meine zunge auch für dies’ gedicht.

(@ j&m)

die dienste des dienstags

2 Dezember, 2015 (04:02) | | netz@uge.nblick | Kommentieren

… sind aus denen des „i don’t like mondays“ gewonnen | vorausschauend auf die mittwöchnerinnen der | tage des donners | bevor wir frei werden im gebet des | freien tages, schabbat schalom.

denn des dienstags straßen | durch die ich nachts geistere | sind leere kurz vor der mitternacht | am mittwoch ist markt auf den plätzen | voran, die fische frisch liegend auf kälterem eis.

und ich leiste den dienst an meinem | innstetteneinsamen | mache mich auf | den ingrimm zu stolz noch zu mimen,

meine maske : digital.

… sinken aus denen der mönchischen nächte | wo ich, selbige teilend in stunden | minuten nach sekunden | verharre, um zu scharren | mit den füßen im sand und getriebe | öl nicht in mein feuer gießend, doch quarz | ihn zu zerreiben.

denn des dienstes nächte | krankenschwestern, übermüdete feuerwehren | caste ich zu henneckes der nachtarbeit | singe das loblied selbst schlecht bezahlter arbeit | wissend um deren kreuze.

die sie an falscher stelle machen | nachwievorhut ihrer wie meiner selbstausbeutung | produzentinnen des eigenen unglücks | strebend nach glück,

das einst fällt ihnen | ein – und also vor die füße.

ögyr liest’s

montagsgespenster

2 Dezember, 2015 (03:53) | | netz@uge.nblick | Kommentieren

„Es machen mir meine Gespenster / Sogar einen Tagesbesuch“ (Heinrich Heine: „Buch der Lieder“, 1827)

es wird nicht mehr hell | ich möchte ein licht anzünden im not for me der himmel | heute, mit schlämmkreide die wände der hölle weißen | nachahmend den cumshot der mutterbrust einst | in meinem rosigen, schielenden gesicht.

oder mit kohlestiften den teufel malen an die wand | skizze eines verlorenen einsamkiters | die feder zum schreiben aus seinen flügeln brechen | denen eines engels.

denn in meiner stadt … | ragen, das dämmern zu fassen, kräne | gerippend in das grau | auch dieses am besten | – oder gerade nicht – | zu vergessenden zweiten tages nach dem schabbat.

gespenster, sagt man, seien manifestationen des | unbewussten | denn von ihnen geweckt, schläft die | vernunft | am tage träumend durch die | nacht.

werd‘ ich mein schweigen darob verlängern | bis es nur noch zwei verse währt?

oder auf nur ein | …wort… | ?

es wird nie mehr dunkel | an solchen montagen, an denen ich | eine dunkelheit lösche | aufs papier | meinen getreuen, weißen, unschuldig, jungmännlichen | gast, der schaut aus den monadenfenstern | meines augenhöhlengleichnisses in mich.

oder mit den kohlen von bogenlampen | tausendere grade celsius heißer als meine | netzdünnhäutigkeit | die nacht erzwingen und den schlaf | der heilig ist den gerechten.

denn in meiner stadt … | singen die schiffe ihre choräle | von abschied und willkommen | tuten die toten matrosen | während ich an ihrer kerze eine zigarette | für sie zündschnüre.

die toten aber, sagt man | ruhen nicht, sie seien vielmehr | tot | offenes grab | kalkgrube | kühltruhe | abtauende wie die gletscher des gedichts.

montags also brech‘ ich mein schweige- | gelübde | schreie auf und an gegen | das und im gedicht.

auf ein wort also | … du, mein montag… | – -?!

ögyr liest’s

sturz in große höhe

17 November, 2015 (03:23) | | zahlenfolge.n@tur.net | Kommentieren

ich stürzte zu dir im mir dir verfallen,
im traume war’n verwechselt k’ordinaten.
aus großer höhe sandt’ ich dir mein schallen
und war dir angetastet in den daten.

ich schrie und schrieb und schrei in dem verhallen
von höhlen, denen ich mein fallen fälle
und niedrigkeit, wo ich verberge stallen
mein schäfchensein in anverwandter zelle.

aus großer höhe kam ich zu dir, wallend
ins niedrige der eingezählten zahlen.
ich bin dein größt und möglichst dir gefallend,

ein oder nichts, ein nerv und wiederholer.
aus meiner mitten nicht war’n all die wahlen,
die brannten aus das laub der mich verkohler.

ögyr liest’s

(für julija)

tucson, arizona

20 Oktober, 2015 (01:43) | | herz & lenden | Kommentieren

meine liebe fährt auf mein’m zylinder
fern von mir, die kilometer reißt
sie ab und ist mir meiner wiederfinder.
wir sind, die liebe einverstanden heißt,

ein sommerreifen, abgenutzt, im winter
ausgetauscht in bald für alle wetter.
wir wissen, wo ist das zuvor dahinter,
welch’ gold am hals ist uns der uns verketter.

mit gas fährt uns’res jeepes hingefährt,
als sei symbol das für die hingefahr’nen.
uns ist die weite ferne, was entbehrt

die nähe, wenn sie dem verzückt gebahren
ein wegwärts ist, auch hier noch angekommen,
wo küsse beider sind so uns verronnen.

ögyr liest’s

„dann ist dies nicht mein land“

8 Oktober, 2015 (06:44) | | hyper pixels | Kommentieren

(zum 66. „tag der republik“)

es war ja immer meines: gegenüber,
mein land, das fünfundzwanzig so vergangen.
ich war ihm dichtend hin und her hinüber,
ich drückte mich an seine zweifelnd wangen.

jetzt singt die kanzlerin das lobeslied
und gegen tod im mittelmeer dem flüchtling,
halbherzig nur, denn sie parteien blieb
die raute, schütt’re des geräuchert bückling.

sie selber aus dem pastorat geflohen,
wusst’ nicht, wo ist ein hier das mit uns wohnen,
war lang nur eines einheitskanzlers mädchen.

sie kreist in talkshows eiernd um probleme
und sucht verwischt geringeres der schädchen,
wo war sie flüchtig einst, nun die bequeme.

ögyr liest’s

6 Oktober, 2015 (13:18) | | tage-bau | Kommentieren

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das kriechtier

nah ists mir

es schleicht wie ich

nur ihm ihm

macht

das

nichts

schokozigaretten 1970

6 Oktober, 2015 (00:56) | | beautiful people, netz@uge.nblick | 1 Kommentar

wir aßen schlanke schokozigaretten
und schliefen ruhig und träumten sanft vom tage
des nachts in noch behüteten der betten,
denn alles schien uns damals in der waage.

mein erster schultag: jetzt begann der ernst
des lebens, kindern eh’dem kaum verständlich.
denn er beginnt, erst wenn du dich entfernst,
bewohnst die kalte stadt, bist nicht mehr ländlich.

wie fremd sind mir mein ich und die familie
nach fünfundvierzig jahren, halbes leben
später, dreifach fetter mit mir rauchend …

und es rührt mich, diese kinder schauend
an, aus denen sich die zeiten weben:
ist denn das leben nur ein rauchgebilde?

(für meine cousins (sven & jochen) und cousinen (kiki & brita))

ögyr liest’s

4 Oktober, 2015 (09:05) | | tage-bau | Kommentieren

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die großstadt malt gemälde. ein zigarettenautomat, längst seiner funktion enthoben, wird gefüllt mit abfall, der abfällt, wenn man ist, isst, trinkt, einkauft, prospekte liest und wegwirft, sich schneuzt. andere befüllen nicht, sie beschriften und bekritzeln und bekleben. wüsste man nicht, dass alles müll ist, kniffe man die augen ein wenig zu schlitzen, könnte man denken, man stünde vor einem gemälde des informel. träte man dicht hinzu, fasse an und betaste (was man nicht tut, weils nicht gut riecht), ertönte keine schrille klingel, keine sirene, kein geheul, die das museumspersonal auf vorwitzige oder klaubereite besucher hinweist. ganz unbeachtet hängt es da, das gemälde, das objekt. es lässt sich ruhig betrachten, selbstgewiss, selbstverständlich. und morgen sieht es wahrscheinlich schon ganz anders aus, dieses „work in progress“…

flurlicht

15 September, 2015 (03:38) | | blut.bahnen/rauschen, labyrinth/wort.gewebt. | Kommentieren

wir werden gehen, sagt man, durch den flur,
den langen, doch am ende sei das licht.
im dunkel, sanft beleuchtet, steht wie schwur
der ruhestuhl modell dem versgedicht.

das leben, ja, beginnet … und es endet
in beigen fluren von den krankenhäusern.
wie man’s auch dreht und kreisend wieder wendet:
wir komm’n und gehen dort … hilft kein beteuern.

flurlicht_web

doch dass das licht am end’ des flurs der nacht
nicht glimmt nur, sondern scheint, ja schreit so hell,
lässt letzten acker wie die saat einst leuchten.

wir gehen langsam und doch, ach, zu schnell
und blieben gern noch, wo wir hin uns scheuchten
vom licht am end’ zurück in anfangs schacht.

(für gf & jf)

ögyr liest’s

Idee: Enno E. Peter & Sabrina Ortmann

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